Verflixt – 25/7/16

Ich weiß nicht wie es weitergehen soll

meine verhasste Freundin hat mich wiedergefunden

zerkratzt mein mühsam angesammeltes Porzellan

zerkratzt mein Gehirn

Chips in meinem Herzen, Schokolade im Mund.

Was für einen Scheiß ich schreibe.

 

meine Gedanken zerreiben

meine Haut.

 

ich schlittere ins Scheitern

ewiglich verdammt

 

die Freude des Tages

vergeht

sofort

ich kann sie nicht speichern

grab aus.

Mondscheinsonate / 9.9.15

I

Nebel könnte ich sagen

wenn du mich verlässt.

mich sitzen lässt

auf dieser Parkbank,

wie originell.

Der Strauch raschelt im Wind, deine Schuhe auf dem Kiesweg, klebrig.

Wie Regentropfen auf Asche.

Ich werde nicht weinen, bis die Sonne aufgeht

kalt hinter Wolkenwänden

wie frisch aufgebrühter Tee

und keine Worte dir zu sagen.

Manchmal würde ich gerne zeichnen können,

dann wäre das hier ein Kollwitz-Gemälde.

II

Der Frühling will mich verarschen

mit seinen Schneeglöckchen.

Auf gefrorenen Seen Fangen spielen

und die Gartenzwerge spazieren führen.

III

Die Ratten hinter Flachbildfernsehern wissen noch, wie man glücklich ist.

Sie beißen gnädig die Kabel durch für einen Stromausfall.

Manche muss man eben zu ihrem Glück zwingen

nesteln sie an ihren Nestern.

Störe den Fleiß nicht durch Geschrei

füttere die Galaxien unter deinem Fenster

sieh dir die Sterne an!

Knutsche im Licht der Straßenlaternen.

Ein bisschen Exhibitionismus schadet nie,

das wissen die Ratten genau.

Lass dich vom Blitz erschlagen

wenn es sein muss.

Übergib dich unter einem Apfelbaum.

Schneid dir die Zunge heraus und lerne,

was es heißt, zu schreien.

Das ist Liebe

Das ist Kino

Das ist Rausch.

Schmeiß die Spritzen zurück in den Automaten

und schenk dir Mandelaugen ein,

bis du nicht mehr kannst vor Lachen.

Vererbung

ich bin geübt darin

wie meine ganze Familie

meine Liebe aufzuhäufen

um sie alle paar Jahre

für die Reisenden hervorzukramen

und leuchtend auf den Teller zu packen.

versuche

alles, was wichtig ist

in ein paar Tagen zu sagen

bevor das Flugzeug wieder abhebt

soviele Umarmungen und soviel Lachen

mit meinem Fleisch und Blut zu teilen

bevor es wieder Abschied von mir nimmt

ich kenne sie kaum

meine Menschen

aber die Liebe, die ich für sie in mir habe

ist groß genug für alle Kontinente

sie wabert über den Atlantik

wenn sie die Zelte abbrechen.

Ihr, die ihr Tanten habt, die um die Ecke wohnen

wisst ja gar nicht

was es heißt

jemanden gehen zu lassen.

Immer

und immer

und immer

wieder.

Ihr wisst gar nicht wieviel

unsere Liebe tragen kann.

Erbe von 1973

Erbe der Militärs

Erbe der Bomben

eine traurige Routine

die ich weitervererben werde

die alle weitervererben werden

unsere Familie auf fünf Kontinenten

und alle paar Jahre verbinden sich Punkte

und leuchten, wenn neue Fäden im Netz auftauchen

nach denen man sich

so lange gesehnt hat.